ANDREA GUBITZ | Heimat-Photographie

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ANDREA GUBITZ – Heimatphotographie

Das besondere Bokeh

Das besondere Bokeh

Das gute Objektiv: der Königsweg

Ein unscharfer Vorder- und/oder Hintergrund, wie er mit bloßem Auge nicht zu sehen ist – das Bokeh – das ist einer der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Photographie. Für Portraits von Menschen, Tieren und Pflanzen ist ein weiches, hoch aufgelöstes Bokek von essentieller Bedeutung. Im Allgemeinen gilt: je größer der Sensor, je offenblendiger das Objektiv, je mehr Blendenlamellen im Objektiv und je größer die Brennweite, umso weicher wird das Bokeh. Aber auch der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund spielt eine große Rolle. So ist zum Beispiel der Käfer trotz relativ stark geschlossener Blende sehr schön freigestellt.

Käfer auf einer Blüte beim Absprung
Käfer: 105 mm (KB), f 13, 1/320, ISO 2000

Wem also diese Art der Photographie gefällt, für den lohnt sich die Anschaffung eines hochwertigen (Makro-)Objektivs. Aber auch bei alten Objektiven gibt es wahre Perlen, wie zum Beispiel das Vivitar Serie 1. Rein manuell zu bedienende Linsen sind hier kein Nachteil, da diese Art der Photographie sowieso eine entschleunigte Beschäftigung ist.

Spezielle Bokehs

Oft liegt der Reiz eines alten Objektivs aber gerade darin, gegenüber modernen Objektiven ein spezielles Bokeh zu erzeugen, z.B. ein verwirbeltes – wie das Helios 44-2, oder die typischen Kringel eines Spiegelobjektivs.

Und dann gibt es noch die Spielereien mit selbst gebastelten Schablonen. Sucht man danach im weltweiten Netz, so wimmelt es nur so vor Sternchen, Herzchen und anderen Formen, die mit bunten Lichtpunkten im Hintergrund zu liebenswertem Kitsch werden.

Fleischwolfvorsatz zweckentfremdet

Vor kurzem bin ich bei Pinterest auf eine interessante Idee gestoßen, nämlich einen Fleischwolfvorsatz vor dem Objektiv anzubringen. Hierzu klebt man den Vorsatz mit etwas schwarzen Klebeband auf einen alten Filter, möglichst mit passenden Filtergewinde. Ansonsten kann man diese Konstruktion auch mit der Hand vor die Linse halten. Das hat den Vorteil, daß man den Filter etwas hin und her bewegen kann, bis einem der Effekt am besten gefällt. Allerdings kann dies eine ziemliche Fummelei werden. Ich habe mich nach mehreren Versuchen mit dem relativ schweren, metallischen Original entschieden, eine Kopie des Fleischwolfvorsatzes aus Fotokarton auszuschneiden. Diese läßt sich mit etwas Klebeband problemlos am Objektiv befestigen, ohne den Filter bzw. die Linse zu zerkratzen. Je nach Blende und Kontrasten im Hintergrund kann das Bokeh sehr stark strukturiert (siehe Foto „Fette Henne (2)“) oder auch ganz weich ausfallen (siehe Foto „Buntklee“).

Kartoffelnetz zweckentfremdet

Es lohnt sich auch, im Haushalt nach anderen Utensilien zu suchen, die vor einer Fotolinse für ein besonderes Bokeh sorgen können. Ein Netzgwebe in schwarz ist eine interessante Variante. Das im Bokeh entstehende Gitter kann durch Drehung variiert werden. Bei einem hellen Netz, z.B. aus einer Kartoffelverpackung, fällt der Effekt deutlich dezenter aus. Es ergeben sich aber auch deutliche Unterschiede je nach Blendeöffnung, wie die Hagebutten-Photos zeigen.

Die Welt der selbstgebastelten Filter ist schier unendlich groß und lädt zum Experimentieren ein. Über Hinweise auf andere Ideen bin ich immer dankbar. Aber Vorsicht: nicht alle Bokehs passen zu allen Motiven. Mir persönlich gefallen normalerweise die dezenteren Varianten besser, schließlich ist ja – außer in diesem Beitrag – das Bokeh kein Selbstzweck.

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