Stille im Mönchbruch

Hessens zweitgrößtes Naturschutzgebiet

Eines der schönsten und auch größten Naturschutzgebiete rund um Frankfurt ist der Mönchbruch ( http://www.gg-online.de/html/moenchbruch_nsg.htm ). Er liegt in der Nähe von Mörfelden unmittelbar südlich der Startbahn West des Frankfurter Flughafens; und damit ist auch schon der Haken an dem Gebiet genannt: der Fluglärm. Es ist dort normalerweise nervig laut. Coronazeiten sind jedoch andere Zeiten: Die meisten Flugzeuge stehen am Boden, im Wald sind vor allem Vogelstimmen zu hören.

Einst floss hier der Main und noch heute ist das Gebiet aufgrund des hohen Grundwasserspiegels ziemlich feucht. Allerdings haben auch hier die beiden letzten regenarmen Jahre Ihre Spuren hinterlassen. Viele Gräben und Tümpel sind nahezu ausgetrocknet oder vollständig mit dichtem Schilf zugewachsen. Letzteres freut die Vogelwelt, die zwar lautstark zu hören, aber leider nicht zu sehen ist. An der Stelle, an der ich vor drei Jahren das folgende Foto gemacht habe, ist heute nur noch ein wenig Matsch zu sehen.

Wassergraben im Mönchbruch (2017): 38 mm (KB), f 13, 0,6 sec., ISO 200

Die Brenndoldenwiese

Eine Besonderheit ist die riesige Feuchtwiese, die sich zu beiden Seiten der Mönchbruchallee erstreckt, benannt nach einer der darin vorkommenden Pflanzen. Dort zeigt sich oft eine Herde Damwild. Außerdem lassen sich seltene Orchideenarten entdecken, wie z.B. das Knabenkraut. Da die Wiesen nicht betreten werden dürfen, habe ich für das Foto auf eine lange Brennweite zurückgreifen müssen.

Knabenkraut: 500 mm (KB), f 5,6, 1/1000 sec., ISO 180

Begegnung mit Hirschkäfern

Natürlich kann man bei einem Besuch im NSG nicht erwarten, alle seltenen Tierarten zu Gesicht zu bekommen. Umso erfreuter war ich, nach gefühlt Jahrzehnten, mal wieder Hirschkäfer zu sehen, und zwar direkt am Wegesrand. Einer der beiden interessierte sich sogar für meine Fotoausrüstung, verschwand dann aber doch lieber zügig in seiner gewohnten Umgebung im Laub, wo er schwer zu entdecken ist. Viel Zeit zum Fotografieren hat man bei diesen Käfern übrigens nicht, denn sie sind recht flott unterwegs. Blende und Belichtungszeit hatte ich vorgewählt und die Kamera den ISO-Wert automatisch einstellen lassen. Es ist auch bei sonnigem Wetter ganz schön dunkel am Waldboden.

Fingerhüte im Wald

Ein ganz besonderes Hightlight ist um die aktuelle Jahrezeit (Ende Mai/Anfang Juni) die Blüte der Fingerhüte im Wald. Beeindruckend ist vor allem ihre Fülle. Mit der niedrig stehenden Abendsonne läßt es sich hier prima fotografisch austoben. Eines meines Lieblings-Oldtimer war auch wieder mit an Bord: das Helios 44-2 ( https://ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst.net/altglas-teil-2-helios-44-2/ ). Bei so schönen Farben könnte ich mir eine Spielerei mit ein paar Filtern in der Nachbearbeitung nicht verkneifen.

  • Waldblüte: 50 mm (KB), f 8, 1/180 sec., ISO 400

Die Mönchbruchallee

Für den Rückweg zum Parkplatz am Jagdschloss Mönchbruch bietet sich der Gang über die Mönchbruchallee an. Wer dann noch Geduld und Energie für einen Sonnenuntergang hat, kann am Weiher Glück haben. Lästige Nilgänse und Nutrias müssen in Kauf genommen werden. Die folgenden drei Fotos habe ich im Mai 2017 gemacht. Das mittlere Foto ist mein erstes HDR. Gegenüber dieser Technik war ich lange skeptisch, bin aber dann vom Saulus zum Paulus geworden. Gerade für das Fotografieren im Wald sind Belichtungsreihen die Rettung vor hohen Kontrastumfängen.

Nach ein paar Stunden mit der Fotoausrüstung im Mönchbruch ist es Zeit für die Rückkehr nach Hause – wohl wissend – Wiederkommen lohnt sich, vor allem solange die Flugzeuge noch weitgehend am Boden stehen.

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