Vogelbeobachtungen in der Wetterau

Wer gern Vögel, auch seltene, beobachtet, hat es von Frankfurt aus nicht weit, in ca. 45 Autominuten ist man in der Wetterau und in einer anderen Welt. Hier liegen gleich drei Vogelschutzgebiete in enger Nachbarschaft: das Bingenheimer Ried, der Pfaffensee und der Heuchelsee. Ein Besuch lohnt sich vor allem im Frühjahr zur Balz- und Brutzeit. Um auf ihre/seine Kosten zu kommen, ist ein gutes Fernglas ein Muss, ein Spektiv ist natürlich noch besser.

Will man Vögel photographieren, so lautet die Devise: Je mehr Brennweite desto besser. Wir – das schon bewährte Fotografinnenteam, Carola und ich, waren mit einem Zoom mit einer maximalen Brennweite von 300 mm an APS-C und einer Festbrennweite von 500 mm an Vollformat ausgestattet. Das erscheint viel – und vom Gewicht her ist es das allemal – aber Vögel in freier Natur sind nun mal ziemlich weit weg. Um eine kräftige Beschneidung vieler Bilder kommt man nicht herum. Es ist aber auch auf jeden Fall sinnvoll, auch eine kurze Brennweite für das ein oder Landschaftsphoto einzupacken. Hier bietet sich die Normalbrennweite an, denn diese Objektive sind klein, leicht sowie lichtstark – und meist auch recht preiswert.

Frühaufsteher aufgepaßt!

Die schönsten Nebelphotos gibt es kurz vor dem Sonnenaufgang. Carola und ich haben uns um 5:30 Uhr am Bindenheimer Ried verabredet, dann mußte es  schnell gehen. Das obere Photo ist um 5:50, das mittlere um 6:00 Uhr entstanden. Kurz danach tauchten die ersten Vögel im Nebel auf. Das Photo des Tages aber ist wenig später Carola gelungen.

Die Natur erwacht (Carola): 300 mm (APS-C), f 10, 1/1000, ISO 1600
Morgennebel in der Wetterau (Andrea): 50 mm (KB), f8, 1/60, ISO 800
Sonnenaufgang in der Wetterau (Andrea): 50 mm (KB), f 19,, 1/80, ISO 800
Die ersten Vögel im Nebel (Andrea): 500 mm (KB), f 5,6, 1/1000, ISO 720
Kiebitz im Sonnenlicht (Andrea): 500 mm (KB), f 5,6, 1/2000, ISO 500
Flügelspannweite (Andrea): 500 mm (KB), f 5,6, 1/3000, ISO 720
Flugakrobat (Carola): 300 mm (APS-C), f 6,3, 1/1250, ISO 400

Gaukler der Lüfte

Nachdem die Sonne den Morgennebel rasch aufgelöst hat, schauen wir einem besonderen Vogel bei seinen Rundflügen zu: dem Kiebitz. Früher überall häufig, ist er heute deutlich seltener geworden. Sein dramatischer Bestandseinbruch hat ihm einen Platz auf der roten Liste “beschert”, und zwar in der Kategorie “stark gefährdet”. Der hübsche Vogel hat auffällige Kopffedern, die beim Männchen länger sind als beim Weibchen. Das Gefieder leuchtet im Sonnenlicht in allen Regenbogenfarben.

Will der Kiebitz-Mann die Dame seines Herzens beeindrucken, so muß er eine Reihe von akrobatischen Flugvorführunmgen beherrschen. Die Besten unter ihnen können auf diese Weise sogar mehrere Weibchen in ihr Revier locken. Ganz konfliktfrei geht es im Haarem aber nicht zu. Auch den Rehen scheint das Spektakel zu gefallen.

Der Balzflug (auch Gaukelflug genannt) hat einen praktischen Hintergrund: Je kunstvoller die Flugshow, desto besser ist auch später die Verteidigung gegen Nesträuber.

Kiebitz im Flug (Andrea): 500 mm, f 5,6, 1/2000, ISO 220

Blaukehlchen auf dem Laufsteg

Wenige hundert Meter entfernt von dem ersten Beobachtungspunkt befindet sich ein zweiter. Inzwischen ist es nicht mehr ganz so früh am Morgen, und wir sind nicht mehr die einzigen, die mit einer Kamera ausgerüstet auf Motive warten.

Da die Blaukehlchen den Ort wohl für ihren Nestbau ausgewählt haben, sind sie jetzt – Ende Mai – mit der Fütterung ihrer Jungen beschäftigt. So landen sie vor unsere Nase auf Pfosten, Zäunen und im Schilf.  An Telelinsen scheinen sie gewöhnt zu sein. Einer hat sich sich dann doch mal ordentlich beschwert.

Blaukehlchen sind zwar nicht gefährdet, aber ihre Verbreitung ist lückenhaft. Im Verhalten ähneln sie ihren Verwandten aus dem Garten, den Rotkehlchen, über die hier auch schon ausführlich berichtet wurde. Während Letztere bei uns oft Standvögel sind oder nur kurze Strecken ziehen, überwintern Blaukehlchen vor allem in Ostafrika.

Blaukehlchen im Flug (Andrea): 500 mm (KB), f 8, 1/3000, ISO 1250
Blaukehlchen, schimpfend (Carola): 300 mm (APS-C), f 9 , 1/1250, ISO 1250
Blaukehlchen im Schilf (Andrea): 500 mm (KB), f 8, 1/2000, ISO 800
Blaukehlchen übt Spagat (Carola): 300 mm (APS-C), f 9, 1/1250, ISO 1000
Bluthänfling (Andrea): 500 mm (KB), f 8, 1/3000, ISO 720
Brandenten (Andrea): 500 mm (KB), f 5,6, 1/2000, ISO 200
Löffelente (Andrea): 500 mm (KB), f 5,6, 1/1000, ISO 320

Viele andere Vögel

In den Vogelschutzgebieten der Wetterau gibt es natürlch noch viel mehr Vögel zu sehen, darunter auch viele, die wir auf der Roten Liste finden können, z.B. : die Knäkente (vom Aussterben bedroht), den Schwarzhalstaucher (gefährdet),  den Bluthänfling (gefährdet) oder die Löffelente (gefährdet).

Brandenten/ -gänse sind zwar nicht gefährdet; da sie bei uns im Binnenland aber nur gelegentlich brüten, sind sie hier nur für kurze Zeit zu sehen. Ansonsten bevorzugen diese Vögel deutsche Küstengewässer.

Last, but not least haben wir viele Störche gesehen und natürlich auch photographiert. Störche sind in Hessen weit verbreitet und dank vieler Nisthilfen sogar in den Außenbezirken Frankfurts angekommen. Ihr Anblick macht glücklich!

Illustre Gesellschaft (Carola): 120 mm (APS-C), f 10, 1/800, ISO 400

6 Tipps zur Vogelphotographie

Zum guten Schluß gibt es ein paar Anmerkungen zur Vogelphotographie, die auch für Nichtspezialisten dieses Genres hilfreich sein können.

  1. Erwähnt wurde ja schon, daß eine möglichst lange Brennweite hilfreich ist. Allerdings, je mehr Brennweite, desto schwieriger wird es, die Vögel im Sucher auch zu finden. Am besten klappt es, wenn man den Vogel fixiert und dann die Kamera nur noch vor das Auge schiebt. Hier gilt: Übung macht den Meister.
  2. Vögel sind flinke Tiere, daher sind kurze Verschlußzeiten gefragt. Selbst bei 1/3000 ist z.B. das Blaukehlchen im Flug nicht vollständig scharf. Bei so kurzen Verschlußzeiten schalte ich den Bildstabilisator aus. Dadurch wird der Autofokus etwas schneller. Allerdings, was für eine Spiegelreflexkamera gilt, muß für eine spiegellose Systemkamera nicht richtig sein, denn hier schaut man ja nicht über den Spiegel durch das Objektiv, sondern auf den Sensor in der Kamera.
  3. Kurze Verschlußzeiten bedingen fast zwangsläufig eine möglichst weit geöffnete Blende und hohe ISO-Zahlen. Die Tiefenschärfe ist meist kein Problem, da die Vögel weit weg sind.  Den ISO-Wert lasse ich die Kamera automatisch bestimmen, allerdings mit einer Obergrenze versehen. Bei einem Vollformatsensor kann man hier etwas großzügiger sein als bei kleineren Sensorformaten. Letztlich muß man es ausprobieren.
  4. Schärfe ist das A und O in der Vogelphotographie, vor allem, wenn in der Nachbearbeitung entrauscht werden soll. Letzteres kann in Maßen angewendet das Bild deutlich verbessern.  Ist man stolzer Besitzer einer etwas älteren Spiegelreflexkamera, so ist der Verfolgungsautofokus mit einem nicht zu großen Messfeld die übliche Wahl. Ich persönlich nutze am liebsten die Spotmessung in der Bildmitte (hier ist das Objektiv am schärfsten), denn mein Verfolgungsautofokus ist oft zu langsam. Wenn ich den Schärfepunkt richtig treffe, kappt es prima, aber die Ausschußrate ist höher. Moderne Systemkameras haben je nach Modell Gesichtserkennung, Augenerkennung, Tiererkennung oder sogar eine spezielle Vogelerkennung. Das ist natürlich sehr hilfreich. Wichtig ist, daß mindestens ein Auge scharf abgebildet wird, es sei denn, Bewegungsunschärfe ist das zentrale gestalterischen Element.
  5. Um den richtigen Moment im Bewegungsablauf eines Vogels zu erwischen, ist der Serienbildmodus ein Muß. Hier gilt: Je schneller und je mehr Bilder möglich sind, desto besser. Hier sind die modernen Spiegellosen gegenüber den DSLRs eindeutig im Vorteil. Ich muß mich da eher mit einer gemütlichen Kamera begnügen.
  6. Im allgemeinen singe ich ja gern an dieser Stelle das hohe Lied über den Nutzen eines Stativs. Die Photos in diesem Beitrag sind aber alle ohne dieses Hilfsmittel entstanden. Ohne Stativ kann man viel flexibler reagieren, muß aber mit mehr Ausschuß rechnen. Sitzt die Kamera auf dem Stativ, muß der Vogel zu der richigen Stelle fliegen, und das kann dauern. Mehr scharfe Bilder und eine bessere Bildgestaltung sind der Lohn für die Geduld. Mit einem Teleobjektiv über mehrere Stunden freihand zu photographieren kann am Abend ganz schön in den Schultern zwicken.

Im allgemeinen gilt, was die berühmte Photographin Gisèle Freund gesagt hat: “Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera.” Ist die Ausrüstung also egal? Die Antwort ist ein beherztes “Jain”. Die beste Kamera ist immer die, die man hat. In der Vogelphotographie schafft moderne Kameratechnik allerdings besondere Einblicke in das Leben unserer gefiederten Freunde, die früher nicht oder so nicht möglich waren. Das wiederum allein macht aber noch keine guten Fotos. Darüber entscheidet der Kopf hinter der Kamera und vor dem Computer. 

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