Blattwerk

Wenn der Herbst die Blätter zum Leuchten bringt

Auf der Suche nach den leuchtende Farben des Herbstes kommt man an Blättern nicht vorbei. Sie offenbaren Ihre wahre Schönheit in dieser Jahreszeit, wenn das Clorophyll aus ihren Adern weicht. In der Natur ist das Gegenlicht der Sonne die perfekte Lichtquelle, aber auch eine kleine Auswahl an Blättern, gesammelt bei einem Spaziergnag mit der Familie im Wald, kann im Studio schön in Szene gesetzt werden. Der Vorteil: die Familie nicht ist durch häufige Fotostopps genervt.

Blätter auf dem Leuchtkasten

Eine gefühlte Ewigkeit habe ich keine Blätter mehr unter schweren Bücher gepreßt. Ein Video von Ray Scott, hat mich inspiriert, genau das einmal wieder zu tun, um dann diese Blätter auf einem Leuchtkasten zu fotografieren. Meinen Leuchtkasten habe ich aus einem Pappkarton und Butterbrotpapier gebastelt. Eine Glasplatte (z.B. kurzfristig aus dem Kühlschrank “ausgeliehen”) mit etwas transparenten Papier darunter tut es genau so gut. Als Beleuchtung dient eine Arbeitlampe aus dem Keller und/oder ein buntes LED-Licht (siehe Bild “Ahorn (Detail)”). Um die Kamera – bestückt mit meinem Lieblingsobjektiv, einem 105er Makro – möglicht parallel zur Motivebene zu bringen, habe ich mit einem Stativ gearbeitet, und zwar mit horizontal umgeklappter Mittelsäule. Diese Position ist etwas wackelig, aber im Raum geht es ganz gut. Wenn man mit den ISO-Werten nicht so knausert, gelingt es bestimmt auch aus der Hand. Einzig die LED-Leuchte ist sehr lichtschwach.

Das viele Gelb und Orange kann ein bißchen viel werden. Dann lohnt sich auch mal eine Umwandlung in schwarz-weiß, um nur die Blattadern zu betonen. Vor allem das Bild vom Gingko-Blatt hat hierdurch stark gewonnen.

Blätter auf spiegelndem Untergrund

Mein Blättersammlung war recht umfangreich geraten. Daher lagen einige Exemplare herum und fingen an, sich zu wellen und schließlich einzurollen. Das brachte mich auf eine andere Idee. Auf meinem Fototisch liegt meistens eine schwarze Plexiglascheibe, die sich hervorragend als Spiegelfläche eignet, auch für Blätter. Der Haken daran: Man muß viel Staubwischen. Bei Betrachtung der Fotos in der Lupenansicht in der Bildbearbeitung mußte ich dann feststellen: viel ist nicht genug, es gibt immer noch zahlreiche winzige Staubkörner. Wie gut, daß es ein Stempelwerkzeug gibt.

Um die Blätter gezielt auszuleuchten, habe ich eine dimmbare Taschenlampe verwendet, und bei zwei Fotos zusätzlich ein rotes LED-Licht. Um das Spiegelbild etwas heller zu bekommen, reicht eine lokale Anhebung der Belichtung und des Kontrasts – beides nur wenig. Will man das Spiegelbild genauso hell haben wie das Hauptmotiv selbst, empfiehlt es sich, zwei Belichtungen vorzunehmen, und diese in der Nachbearbeitung zusammenzufügen. Da der Hintergrund bei beiden Aufnahmen möglichst schwarz sein sollte, muß man hier auch gar nicht so präzise ausmaskieren. Mit diesem Verfahren ist das Eingangsfoto, das gespiegelte Ginkgoblatt, entstanden.

Inzwischen sind alle Blätter in der Biotonne, der Fototisch ist aufgeräumt und bereit für neue Ideen.

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