ANDREA GUBITZ | Heimat-Photographie

Ich sehe was, was Du nicht siehst

ANDREA GUBITZ – Heimatphotographie

Zeche Zollverein

Zeche Zollverein

Ein ganz besonderer Ort zum Photographieren

Im Februar diesen Jahres habe ich mir einen Phototraum erfüllt: ein Photo-Workshop auf Zollverein in Essen. Dieses UNESCO- Weltkulturerbe bietet Motive satt, und zwar sowohl in den Außenanlagen, vor allem aber auch in den Innenräumen. Letztere kann man allerdings nur mit einer Führung besuchen – oder eben im Rahmen eines Photo-Workshops angeboten von dem Zollverein-Fotografen Thomas Hintze aus Essen. Dieser Workshop ermöglicht es, zwei Tage lang in den Innenräumen zu photographieren, und zwar unter fachkundiger „Aufsicht“ . Und auch wenn ich keine blutige Anfängerin mehr bin, zu lernen gibt es ja immer was.

Das Hauptgelände der Zeche ist bequem mit der Straßenbahn zu erreichen. Man steht gleich vor dem weltberühmten Wahrzeichen – dem Doppelbockförderturm von Schacht 12, 1932 in Betrieb genommen. Wie viele Fotos mag es davon wohl geben? Vermutlich zig Millionen – und ein paar sind eben auch von mir. Das erste stammt von meiner ersten Digitalkamera. Nachbearbeitet habe ich es mit einer damals (2008) frei verfügbaren Software, und es hängt noch heute bei mir an der Wand. Das zweite Foto ist aktuell. An dem Abend, als es entstand, sah erst einmal gar nicht so recht nach einer blauen Blauen Stunde aus. Manchmal wird man für das Ausharren vor Ort eben auch belohnt.

Erst einmal gucken - und dann gehts los

In den Innenräumen des Zollvereins kann man vor lauter Photomotiven leicht den Überblick verlieren. Außerdem ist es ja auch ganz gut, etwas über die Industrieanlagen zu erfahren. Daher beginnt der Workshop mit einer fachkundigen Führung, und zwar ohne Kameraausrüstung! Ein paar Photos mit dem Smartphone als Gedächtnisstütze machen aber Sinn.

Schon bei der Führung wurde eines überdeutlich: Es ist dunkel hier! Ist ein Fenster irgendwo im Hintergrund, dann kann auch der Kontrastumfang zu einer Herausforderung werden. Daher kommt oft die HDR-Technik zum Einsatz. In Kombination mit langen Belichtungszeiten müssen Belichtungsreihen schon mal per Hand im Bulb-Modus erledigt werden. Ein Fernauslöser ist dabei sehr hilfreich.

Farbe oder schwarz-weiß?

Im Vorfeld des Workshops hatte ich eigentlich erwartet, fast alle Bilder in schwarz-weiß auszuarbeiten, wo soll in so einem Industriedenkmal schon groß Farbe herkommen, und wenn, lenkt sie dann nicht nur ab? Hinterher ist man ja auch nicht immer schlauer, wie die folgenden beiden Fotos zeigen:

Welches gefällt Euch besser? Ich mag eigentlich das Farbfoto lieber, obwohl die Schwarz-Weiß-Variante „industriemäßiger“ aussieht.

Fokus-Stacking

Obwohl ich normalerweise ein Anhänger geringer Tiefenschärfe bin, fiel die Entscheidung hier zumeist auf durchgängig scharfe Bilder. Schließlich sollen Industrieanlagen ja nicht romantisch aussehen. Dabei spielte auch eine Rolle, das Fokus-Stacking zu üben. Diese Technik hatte ich mir allerdings einfacher vorgestellt. Für große Motive, bei denen man mit kurzer Brennweite nah herangeht, klappt es ganz gut. Die notwendige Überlappungen der Tiefenschärfen sind mit wenigen Fotos zu erzielen und können mit Augenmaß vorgenommen werden (z.B. Photo 4). Sogar an eine Kombination aus HDR und Stracking habe ich mich herangewagt – und es hat geklappt (Photo 6). Dabei habe ich erst die drei HDR’s und dann den Stack erstellt.

Liebe zum Detail

Zunächst beeindrucken die Industrieanlagen des Zollverein durch ihre schiere Größe. Daneben lassen sich aber auch ein Fülle von Details entdecken. Manches nimmt sich gar wie ein Schmuckkästchen (Photo 3) aus. Dann darf die Farbe natürlich nicht fehlen. Das sechste Photo (Knarrensatz) ist wieder ein Stack; hier sieht man bei genauem Hinschauen ein paar kleinere Stackingfehler. Gleichwohl gewinnt das Photo durch seine durchgängige Schärfe gegenüber den Einzelbildern.

Architektur auf Zollverein

Nach zwei Tagen und vielen Stunden des Photographierens in den Innenbereichen der Zeche war ich ein bißchen platt. Daher sind die Außenanlagen definitiv zu kurz gekommen. Die meisten Gebäude rund um Schacht 12 sind Ende der zwanziger Jahre im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut. Das ist sehr beeindruckende und photogene Architektur. Das gesamte Gelände ist rund um die Uhr offen, so daß man alle Tageszeiten zum Photographieren nutzen kann.

Kesselhaus (heute „red dot design museum“)

Wiederkommen lohnt sich also, zumal es im Ruhrgebiet noch viele reizvolle Industriedenkmale gibt wie zum Beispiel die Kokerei Hansa in Dortmund, über ich im letzten Beitrag berichtet habe.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: Es gibt auch einen Schutzengel auf Zollverein – den können wir in diesen Wochen ja wirklich gut gebrauchen.

Schutzengel

4 Gedanken zu „Zeche Zollverein“

  1. Hallo Andrea. Danke für die schönen Fotos und Texte von dem spannenden Workshop bei Thomas. Es war großartig dort zu fotografieren und mit Euch allen hat es Spaß gemacht. Deine Fotos waren jetzt noch einmal eine willkommene Erinnerung an das Wochenende auf Zollverein. Bleib Gesund.

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  2. Die Bilder machen Lust auf mehr. Tatsächlich hätte ich auch gedacht, schwarz-weiß wäre das Mittel der Wahl bei so einer Industrieanlage. Wie du zeigst, macht aber auch das eine oder andere Motiv in Farbe eine gute Figur.
    Gratulation zu deinen Bildern.

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  3. Hallo liebe Andrea, ich bin von Deinen Fotos aus der Zeche Zollverein total beeindruckt. Großartig! Und die hilfreichen Erklärungen dazu finde ich auch super.
    Deine gesamte HP ist ein Augenschmaus, den ich gerade erst für mich entdeckt habe und mir sicher noch öfter gönnen werde. Bin übrigens auch Besitzerin eines Helios-Objektives, habe aber noch keine große Erfahrungen damit gesammelt.
    Bleib‘ gesund und weiterhin kreative Ideen
    Liebe Grüße
    Steffi

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  4. Liebe Fotofreunde,

    vielen, vielen Dank für Eure netten Kommentare und das große Lob. Es ist mir Freude und Ansporn, meinen Blog weiter zu entwickeln.

    Genießt den Frühling und bleibt gesund!

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